"Er ist ein Sadist. Wir freuen uns auf seinen nächsten Besuch."
Ein Platzobmann berichtet
Wenn Hardt kommt, wird es hart! Hardt ist Doktor und ö.b.u.v. Sachverständiger, aber zu seiner Entlastung müssen wir festhalten, dass er trotzdem nett ist. Außerdem hat er Ahnung und  wird sogar von Chef-Greenkeepern als Ratgeber anerkannt. Ahnung wovon?  – Von Rasen im allgemeinen und von Grüns im Besonderen. Am 23. Oktober 2004 kam  er zu einem eintägigen Audit unseres Platzes.

Hardt braucht nicht viel,  um einen Platz auseinander zu nehmen. Eine gut 100 cm lange Stange, mit der er  im Grün rumstochert, eine Digitalkamera, mit der er das Grauen Beweis sichernd  festhält und ein Gerät, mit dem er Bodenproben nimmt, nicht irgendwo, sondern  auf den Grüns. Das Ding sieht aus wie ein rechteckiger flacher Kasten, unten  offen - der wird 30cm in das Grün gerammt, herausgezogen und auf der breiten Seite  aufgeklappt. Jetzt kann man den Bodenaufbau 30 cm tief ansehen und wie bei  Baumringen einen Blick in die Vergangenheit tun. Unsere Grüns sind nämlich seit  Bestehen durch das ständige Sanden um ca. 10 cm "gewachsen". Wenn  einmal in einem Jahr zu wenig gesandet wurde, sieht die Erdschicht dunkler aus  und es gibt einen Verweis vom Rasendoktor.

Überhaupt ist der Mann  ohne Gnade. Der guten Ordnung halber und um sein Honorar pünktlich zu bekommen,  testiert er dem Platz höflich einen guten Gesamtzustand, bevor er sich daran  macht, uns in die Pfanne zu hauen.

Die erste Bodenprobe vom  Grün 8 macht ihn völlig fertig. Black  Layer! Das klingt wie Bombenalarm. - Würden  wir etwa eine Walze einsetzen? - Ja,  das hätte bisher tolle Ergebnisse gebracht, alle wären ganz glücklich, weil die  Grüns so schön glatt werden. - Schon, schon, aber der häufige Einsatz führt  eben zu dem Black Layer. Hardt hasst Walzen.  Der Greenkeeper weiß genau wovon Hardt redet. Er kann so was ab, aber er  ärgert sich. Das sind seine Grüns,  für die steht er gerade und das passiert ihm nicht noch mal.

Hardt meckert über die  Abschläge. Bei Feuchtigkeit auf die Abschlussrunde verzichten, ordnet er an.  Wozu drei Schnittregime nebeneinander? Die Roughs können doch auf der dem Spiel  abgewandten Seite bis an die Bunker herangeführt werden. Das spart Arbeit. Oh  ja, gut! Jetzt mag ich den Doktor wieder.

Was für Spoons verwenden  wir beim Tiefenlüften? - Vollspoons. Hardt stöhnt auf. - Was das soll? Bringt doch  nichts außer Verdichtung der Lochränder. Hohlspoons einsetzen! Der Greenkeeper nickt entspannt und diesmal werde ich bleich. Das kostet zwei  Arbeitsgänge mehr, weil die Löcher nicht nur hinein gestochen (Vollspoon),  sondern die Erdpfropfen auch gleich rausgeholt (Hohlspoon), anschließend  gesammelt und schließlich wegtransportiert  werden. Ich freue mich auf den Zuspruch begeisterter Mitglieder und die Mehrkosten.

Wie häufig wird  gesandet? Der Greenkeeper murmelt etwas. - Zu wenig! Hardt wird streng. Grüns gehören  alle 2 Wochen gesandet, im Wechsel mit Vertikutieren. Ob wir auch die Fairs sanden?  - Na ja, ein- bis zweimal pro Jahr im Approachbereich (der geht 20-30 m bis zum  Fairwayregner), aber dann haben wir immer Mitgliedermeckerer. Ich blicke  betrübt. Hardt kennt keine Gnade. - Was für Sand? – Wir nennen die  Körnungslinie. - Richtig. Aber nicht vergessen:   Drivingzonen einbeziehen, Abschläge sowieso und Vorgrüns alle 4 Wochen.  Hardt liebt Sand, Greenkeeper lieben Sand. Aber das war´s dann wohl.

Dann möchte Hardt  noch Düngungsversuche machen. Wir malen Planquadrate, die unterschiedlich  gedüngt werden sollen. Testgebiet auswählen, Dokumentation, Fotos vorher und  nachher. Das ist wichtig.

Die  Verteilgenauigkeit der Beregnungsanlage sollten wir auch mal prüfen. - Haben  wir schon! - Aber wie kommt es dann zu braunen Stellen auf den Grüns?  Wir sollen mal darüber nachdenken, die Beregner  einzeln anzusteuern. Das bedeutet einen fünfstelligen Investitionsbetrag.  Es regnet. Ich hab die Schnauze voll.

Apropos Grüns. So  richtig toll findet er die auch nicht. Gesamteindruck o.k., Deckungsgrad auch,  aber da sind doch 2 Ökotypen der Poa annua! Typ 1 – hell, breitblättrig mit  starker Blühneigung – findet er völlig daneben, weil das Grün fleckig aussieht  und das Ball-Laufverhalten beeinträchtigt wird. Was tun? - Nachsäen! 6-8 mal  pro Jahr!

Wann geht der Mann  endlich? Jetzt fordert er noch, die Grüns bei Trockenheit erst mittags zu  mähen, um die Poa vom Typ 1 am Aussamen zu hindern. Ich denke wieder an die Spieler,  deren Verständnis endlich ist, und der Greenkeeper denkt an seinen bedrohten Feierabend.

Hardt hingegen ist  ganz entspannt und blickt vergnügt. So hat er das gerne! Er hat uns so richtig  aufgemischt. Er ist ein Sadist. Wir freuen uns auf seinen nächsten Besuch.



Ein Platzobmann
Ein Tag mit Hardt
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